Problemorientiertes Denken

Hajo Knoche Hajo Knoche
16. April 2021
Thema teilen über

Oft versuchen wir neue Lösungen zu generieren bevor wir das Problem genau unter die Lupe nehmen. Dies passiert, weil wir eine begrenzte Aufmerksamkeitskapazität (selektive Aufmerksamkeit- ein gutes Beispiel zeigt das „invisible Gorilla“- Experiment auf) haben und wenn wir uns auf etwas konzentrieren, wie in diesem Fall auf die Lösungsfindung, steht das Problem nicht mehr im Fokus. Es wird gar nicht mehr hinterfragt. Ein zu schneller Einstieg in ein lösungsorientiertes Denken führt oft dazu, dass ein „falsches“ Problem gelöst wird. Um diese unangenehme Situation zu vermeiden könnte das „problemorientierte“ Denken zum Einsatz kommen. Als ein guter Start dient die Frage: “Was für ein Problem wollen wir hier lösen?“. Durch eine Neudefinition des Problems werden neue Perspektiven entdeckt und dementsprechend eine neue Reihe an Ideen generiert.

Um ein Problemstatement zu analysieren empfielt der Bestsellerautor Thomas Wedell-Wedellsborg folgende Aspekte zu beachten:

1. Ist das Problem stimmig?

Wir nehmen gewisse Annahmen, die in einem Problemstatement vorkommen als gegeben an, ohne diese vorher zu überprüfen. Daher gilt es sich die Frage zu stellen: „Wir können wir denn feststellen, dass diese Annahmen auch stimmen?“

 

2. Haben wir unser Problem unnötig limitiert?

Selbst erdachte Einschränkungen eines Problems können auch zur Blockade guter Lösungen führen. Ein Beispiel für solche Einschränkungen kann z.B. die Finanzierungsquelle sein (wenn ein Team eine Idee hat und denkt, dass nur eigens Unternehmen die Finanzierung anbieten kann), oder wenn der Fokus zu eng ist, wie im folgenden Beispiel: Wenn überlegt wird, wie der Ausbau der Buslinien im ländlichen Raum stattfinden könnte, satt zu überlegen, wie die Mobilität im ländlichen Raum ausgebaut werden könnte.

 

3. Beinhaltet das Problemstatement die Lösung?

Eine weitere Einschränkung für die Entwicklung neuer Ideen ist, wenn bereits ins Problemstatement erdachte Lösungsansätze eingebaut werden.
Erfahrungsgemäß passiert dieses Phänomen sehr schnell, auch ich habe diesen Fehler zu Beginn meiner Zeit als Selbstständige Prototyperin oft gemacht. 2012 begeistert von den Möglichkeiten, die soziale Netzwerke anbieten, habe ich mich gefragt, wie ich ein digitales soziales Netzwerk für eine lokale Unternehmergemeinschaft entwickeln kann? Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, ob eine Unternehmergemeinschaft überhaupt ein neues soziales Netzwerk braucht oderwelche Formate der Vernetzung die lokale Gemeinschaft vorzieht!
Wichtig ist immer das konkrete Ziel vor Augen zu haben. In meinem genannten Fall musste ich mich fragen welches Ziel ich denn verfolge:

will ich eine bessere Möglichkeit für die Unternehmer schaffen sich zu vernetzen oder will ich ein soziales Netzwerk entwickeln, egal, wer ist die Zielgruppe? Am Ende des Tages habe ich ein soziales Netzwerk entwickelt, leider war die Zielgruppe so gar nicht von meiner Lösung begeistert. Das Resultat wardas alles was dieses Netzwerk im Angebot hatte, längst durch andere Kanäle erfolgreich konsumiert wurde und die Wechselkosten einfach zu hoch waren.

 

4. Vorkommen festeingebauter Optionen im Problemstatements (entweder…oder)?

Die Optionen limitieren von vorne an die Möglichkeit mehre unterschiedliche Lösungen zu generieren, auch wenn nicht unbedingt alle davon sinnvoll sind und einige komplett verrückt zu sein scheinen.

 

Nachdem das Problemstatement auf diese oftmals vorkommenden Fehler untersucht wurde, kommt der Moment, in dem wir über den Tellerrand unseres Problemstatements schauen. Um das tun zu können, gibt es wieder eine Reihe von Fragen als Hilfestellung:
- Bei der Lösung eines Problems verwenden wir oft unsere eigene Expertise und Erfahrung. Stell dir vor, dieses Problem wurde von jemand anderem gelöst, , der oder die normalerweise bei solchen Arten der Probleme nicht involviert ist?
- Wenn das entwickelte Problemstatement einen zeitlichen Rahmen hat, ergibt es manchmal Sinn außerhalb dieser Rahmen in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu schauen, ob eventuell frühere oder kommende Ereignisse einen vorher nicht bedachten Einfluss auf das Problemstatement haben
- Wenn es Zusammenhänge bei dem Problemstatement gibt, versuche zu überlegen, ob es zusätzliche Faktoren, die vorher nicht berücksichtigt wurden, eine wichtige Rolle spielen könnten.Oder ob die festgelegten Zusammenhänge in der Tat einen kausalen Link haben und nicht wie z.B. Anzahl der Störche und die Anzahl der Neugeborenen zusammenhängen.
- Sind in einem Problemstatement Objekte? Wenn ja, dann liste alle Eigenschaften dieser Objekte auf und frage welche Kombinationen im Einsatz der Lösung entstehen könnten?

Diese vier Methoden helfen den Rahmen eines Problemstatements auszuweiten und dadurch auf neuen Ideen zu kommen und wie bei allen neuen Methoden ist der Anfang wichtig.

Text: Anna Iversen
Grafiken: Ebru Durmaz